Siegener Spielewelt

 

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Hart an der Grenze
 
Etwas zu verzollen?
„Hart an der Grenze“ ist ein schönes Wortspiel, das das Spiel schon sehr gut beschreibt. Zum einen ist man stets hart an der Grenze des Legalen, zum anderen befinden wir uns an einer Grenze, nach dem Schmuggelgut zu urteilen zwischen den USA und Mexiko. Die Spieler sind reihum mal Sheriff, mal Tourist. Als Sheriff versucht man seine lieben Mitspieler des Schmuggelns zu überführen, als Tourist wiederum versucht man die wertvollsten Waren über die Grenze zu bringen. Dabei ist das Spiel erfrischend einfach zu lernen und das Studium der Regel in der Regel schnell abgeschlossen. Hat gar einer die Regeln im Vorfeld schon gelesen, löblich, löblich, kann das Ganze nach fünf Minuten losgehen. 

Jeder Spieler sucht sich einen Koffer aus. An dieser Stelle schon mal ein Lob für das Material. Die Koffer sind aus Blech und schön gestaltet. Da kommt ja fast Urlaubsatmosphäre auf. Ein Koffer ist gar im Catan-Stil gehalten. Sehr nett! Nachdem nun jeder Spieler, nach Hauen und Stechen, seinen Lieblingskoffer (oder den, der noch übrig war, als er vom Klo wiederkam) genommen hat, bekommt man noch einige Dollar in die Hand gedrückt und der Spaß kann beginnen. In jeder Runde ist ein Spieler der Sheriff. Die anderen versuchen Waren zu schmuggeln. Es gibt drei legale und drei illegale. Die legalen Waren sind Sombreros, Krüge und diese gefüllten Kokosnüsse, Maracas. Die illegalen sind Tequila, Zigarren und Inkastatuen. Jeder Spieler bekommt 5 Karten und darf nun seinen Koffer füllen. Er darf allerdings maximal zwei verschiedene Waren in den Koffer legen. Dies geschieht natürlich verdeckt. Ich kann also zum Beispiel drei Tequilaflaschen hineinlegen und einen Sombrero dazu. Nachdem alle Koffer gefüllt sind, sagen die Spieler reihum an, was sie eingepackt haben. Man darf natürlich nur legale Waren ansagen und auch nur eine Sorte. So hört man „3 Sombreros“, „4 Krüge“, „4 Maracas“ und „3 Tequila“. An dieser Stelle merkten wir, dass Gerd nicht ganz so gut aufgepasst hatte und es besser sei, noch einmal von vorne zu beginnen. Nun ist es am Sheriff, sich einen Touristen zu packen und „Bitte öffnen Sie Ihren Koffer!“ zu rufen. Sollte dieser Spieler ein schlechtes Gewissen haben, kann er mit „Aber Herr Sheriff! Sie wollen doch nicht in meiner dreckigen Unterwäsche wühlen! Wie wäre es mit einem kleinen Geschenk? Reicht dieser Schein?“. Als Sheriff kann man sich nun darauf einlassen oder den mutmaßlichen Schmuggler härter ran nehmen. Spieler wie Dirk, die von vornherein sagen, sie haben gewisse Prinzipien und werden immer kontrollieren, weil sie nun einmal unbestechlich sind, sind bei diesem Spiel leider fehl am Platz. Das hat Dirk dann auch eingesehen und im nächsten Spiel seine Prinzipien für teures Geld verscherbelt. Nehme ich die Bestechung an, dann passiert weiter nichts. Lehne ich sie entrüstet ab, wird der Koffer geöffnet. Befindet sich auch nur eine andere als angesagte Karte darin, muss man eine Strafe zahlen. Auch für falsch angesagte legale Waren muss man blechen. Alle richtig deklarierten Waren darf man aber behalten. Auf illegale Waren stehen hohe Strafen, legale fallen nicht so schwer auf die Brieftasche. Sollte man gar unberechtigter Weise kontrolliert worden sein, bekommt man eine Entschädigung, entweder 1, 2, oder 3 Dollar je nach Warenart. Die anderen Spieler leeren ihre Koffer und legen die Karten verdeckt vor den eigenen Koffer. Dann ist der nächste Spieler an der Reihe. 
Jeder Spieler bekommt noch einen roten Stein, die Beschlagnahme. Damit kann man einmal im Spiel neben der normalen Kontrolle einen Koffer beschlagnahmen. Ist geschmuggelt worden, wandern die Waren auf den Ablagestapel. Im Spiel zu mehreren bekommen die Spieler noch eine Extrakontrolle, die sie auch einmal anwenden dürfen. Allerdings sollte man sie nicht sofort spielen, da man sonst ein gutes Druckmittel schon früh verliert, aber auch nicht zu spät, da die Spieler dann sich vielleicht gar nicht mehr trauen zu schmuggeln.
War jeder Spieler einmal Sheriff, ist eine Runde beendet. Die Spieler dürfen nun bis zu drei ihrer Karten unter den Koffer legen. Diese Karten werden erst zum Ende des Spiels gewertet. Nach drei Runden ist das Spiel zu Ende. Aber zuerst noch einmal zu den übrig gebliebenen Karten. Diese werden nun verkauft. Jede Ware hat einen Wert, den man nun in Dollar umwandeln darf. Die illegalen bringen in sehr viel mehr, als die legalen. 

Die maximal neun Karten unter dem Koffer werden am Ende, nach dem dritten Verkauf, aufgedeckt. Nun werden die Waren nacheinander abgehandelt. Je nach Spieleranzahl können nun je eine bestimmte Anzahl an Waren zum doppelten Wert verkauft werden. Der Spieler, der die meisten Waren einer Art hat, darf als erster verkaufen. Erreicht er schon alleine das Limit, sind die Waren der anderen Spieler wertlos. Haben zwei Spieler gleich viele Waren, wird geteilt. Diese Runde kann über Sieg oder Niederlage entscheiden. Verkauf ich zum Beispiel 4 Tequila zum doppelten Preis, bekomme ich 18 $ pro Flasche! Damit kann man sich noch mal schnell an die Spitze katapultieren. Aber auch die andere Richtung ist möglich: Wenn ich neun Karten Schmuggelgut unter dem Koffer liegen habe, aber andere Spieler haben mehr von diesen Karten, gehe ich leer aus. Tja.

„Hart an der Grenze“ ist ein sehr schönes Bluffspiel. Auch wenn man seine Mitspieler gut zu kennen glaubt, wird man doch immer wieder eines Besseren belehrt. So entpuppte sich Dirk als wahres Schmuggelgenie. Allerdings hängt der Sieg auch entschieden vom Glück ab. Und damit meine ich nicht den Zufall, den Immo veranlasst gerade mich zu kontrollieren und nicht Gerd. Beim Kartennachziehen kam es immer wieder vor, dass der eine oder andere Spieler gar keine Schmuggelwaren nachzog. Wenn man nur legale Waren auf der Hand hat, kann man nicht reich werden. In einem Spiel hatte Immo ganze zwei illegale Waren abbekommen. So gewinnt man nicht. Außerdem werden die illegalen Waren immer weniger, wenn die Spieler ihre unter den Koffer legen, anstatt sie zu verkaufen. Die verkauften kommen immer wieder in Umlauf, die gehorteten nicht. Bei sechs Spielern können so in der ersten Runde allein 18 Karten aus dem Verkehr gezogen werden. Insgesamt ist „Hart an der Grenze“ aber ein zu empfehlendes Spiel. Es bringt Spaß, die anderen Spieler winseln zu sehen, wenn sie nachrechnen, wie viel sie bekommen, wenn sie ihre Schmuggelware durchbringen und wie viel sie an Strafe zahlen müssten, wenn sie mich nicht bestechen können. Dieses Abwägen macht das Spiel sehr spielenswert. Endlich mal wieder ein Bluffspiel, das diesen Namen auch wirklich verdient hat! 
Strategie / Taktik

 
Glück / Zufall
    
Interaktion
   
Material
   
Anleitung
    
Spielspaß
    
Preis / Leistung

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Kurzinfos
Hart an der Grenze 
Gesamtbewertung
     
Autor
André Zatz, Sergio Halaban 
Verlag
Kosmos 
Erscheinungsjahr
2006 
Spieleranzahl
3 - 6 
Dauer
ca. 45 - 70 Min. 
Alter
ab 10 Jahren 
Preis
29,95 € 
Auszeichnungen
Spiel des Jahres 2006 - Empfehlungsliste