Siegener Spielewelt

 

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Caylus
 
Ein Spiel wie ein Orkan
Besonders das Spiel zu Fünft. Wenn Sie Ihre Freunde behalten wollen, sorgen Sie bei Caylus dafür, dass nur vier Personen dabei sind. Aus unserer Erfahrung können wir sagen, dass Sie beim Kauf von Caylus zwei Spiele erwerben: Ein interessantes, taktisches Überlegspiel für vier Spieler, das auch Optionen bietet gegen andere zu spielen. Diese sind aber nicht immer so attraktiv, als dass man sie auch immer ausführt. Und ein fieses, taktisches Hau-auf-alles-drauf Spiel für fünf Spieler, bei dem öfters einer auf der Strecke bleibt, in Tränen ausbricht und nach seiner Mama rufen wird. 

Merke: Diese Rezension beschränkt sich auf das Spiel zu Fünft mit harmoniesüchtigen Waldorfschülern, die ein destruktives Spiel verabscheuen, da sie gekommen sind, um Spaß zu haben. Aber wenn der böse Mitspieler wieder so hintervot* mies spielt, dann haben sie keinen Spaß und wollen lieber gehen. Diese gleichen Waldorfspieler spielen wieder ganz normal mit, lächeln sogar, wenn ihnen etwas Böses passiert, wenn man das gleiche Spiel zu viert spielt – ein Phänomen.
Aber erst einmal zum Spiel und dann zu den Gründen, die dazu führten, dass Immo mir vorwarf ich spiele destruktiv, meine damals noch nicht Gattin mich beschimpfte, der sonst so ruhige Burkhard sogar lauter als Immo wurde und Gerd nur leise grinste. 
Der Anfang
Bei Caylus wollen die Spieler eine Burg bauen, im Auftrag ihres Herrn und Meisters. Diese Burg besteht aus drei Abschnitten. Sind alle Abschnitte fertig gestellt kann das Spiel langsam enden. Jedem Spieler sind Arbeiter unterstellt, die für ihn die Arbeiten erledigen. Zu Beginn des Spieles erhält jeder Spieler eine bestimmte Summe Geld und drei Rohstoffe. Es gibt Holz, Stein, Nahrung, Tuch und Gold. Man startet mit zwei Nahrung und einem Holz. Außerdem werden einige Anfangsgebäude auf dem Spielplan ausgelegt. 
Der Spielplan: Oben links sehen wir die Burg. Oben rechts die verschiedenen Günste, die man erlangen kann und darunter den eigentlichen Plan. Er beginnt mit Aktionsfeldern, die immer aktiviert werden. Da kann ich meinen Arbeiter zwischenparken, 3 Dukaten bekommen, eine Gunst erwerben, die Zugreihenfolge verändern, den Vogt verschieben und mir Vorteile beim Arbeiterkaufen verschaffen. Danach kommt eine Reihenfolgeanzeige. Auf ihr wird festgehalten, welcher Spiele wann gepasst hat. Danach kommen die Gebäude, zuerst die Anfangsgebäude und dann, mit der Zeit, diejenigen, die wir Spieler errichten. Nun bekommen noch der Vogt und der Senneschall ihren Platz zugewiesen und die Startaufstellung ist komplett. Der Senneschall, weißer Zylinder, bestimmt, wann das Spiel endet. Erreicht er die Markierung für die Wertung des dritten Burgabschnitts, wird die Runde noch zu Ende gespielt und dann ist Schluss. Der Vogt, weiße Scheibe, gibt an, welche Gebäude aktiviert werden und welche nicht. Wenn er sich vor dem Senneschall befindet, bewegt sich dieser zwei Felder vor, das Spiel geht schneller vorbei, steht er hinter ihm, rückt dieser nur eines vor. 
Die Spielrunde
Wer an der Reihe ist, setzt einen seiner Arbeiter auf eins der Felder und zahlt eine Dublone an die Bank. Unter den Startfeldern gibt es folgende Auswahlmöglichkeiten: 
- ich parke ihn zwischen, dass heißt, ich kann ihn zum Schluss der Runde versetzen
- ich bekomme beim Abarbeiten der Gebäude 3 Dublonen
- ich kann den Vogt um bis zu drei Felder versetzen um bestimmte Gebäude zu werten oder nicht zu werten
- ich kaufe mit für 1 Dublone und ein Tuch eine Gunst
- ich spiele nächste Runde als Erster
- ich kann meine Arbeiter immer für eine Dublone einsetzen (Der erste, der passt, bekommt eine Dublone und erhöht der Preis für die Arbeiter der anderen Spieler um 1, das geht soweit, bis der letzte Spieler, wenn er dann noch will, 5 Dublonen für einen Arbeiter zahlen muss)
- ich bekomme einen Stein
- ich bekomme ein Holz oder eine Nahrung
- ich kann ein Holzgebäude errichten
- ich verkaufe einen Rohstoff für 4 Dublonen
- ich bekomme eine Nahrung oder ein Tuch
- ich bekomme ein Holz
- ich kann einen Rohstoff für 2 Dublonen kaufen
- ich kann eine Holzgebäude errichten

Das sind erst einmal viele Möglichkeiten. Was brauche ich denn so? Nun, Geld ist immer gut. Um am Schloss zu bauen, brauche ich eine Nahrung und zwei andere Rohstoffe. Für die Holzgebäude brauche ich in der Regel Holz und einen anderen Rohstoff. Für Wohnhäuser brauche ich Geld und Tuch und für Prestigebauten einfach nur viele Rohstoffe, auch Gold, sowie ein Wohnhaus. Puh, da kann einem der Schädel schon mächtig dröhnen! Und wir sind noch immer in der ersten Runde! Später kommen noch die Architekten für Steingebäude und Prestige- und Wohngebäude dazu. Übrigens: Wer am Ende die meisten Prestigepunkte gesammelt hat, gewinnt! Nur so nebenbei. 
Die Runde
1. Arbeiter setzen
Geld bekommt man in jeder Runde, 2 Dublonen plus eventuelle Sonderzahlungen, zum Beispiel durch den Bau eines Wohnhauses. Wie sieht denn nun so eine Runde aus? Nun, sagen wir mal, dass Mathias beginnt. (In der Runde Mathias, Sönke, Caterina und ich gab es keine Tränen, deswegen will ich sie mal als Beispiel nehmen). Mathias beginnt also. Er setzt seinen ersten Arbeiter auf den Steinbruch, zahlt eine Dublone und Sönke ist an der Reihe. Sönke will ein Holz, kein Problem, Arbeiter auf den Wald und eine Dublone an die Bank. Ich hätte gerne eine Nahrung, auch kein Problem, Geld an die Bank Arbeiter aufs Feld. Caterina setzt ihren Arbeiter auf das letzte freie Rohstofffeld (sehr wichtig für die Gründe, warum das Spiel zu fünft so gemein ist (nicht, dass Caterina auf das Feld setzt, sondern die Tatsache, dass es nur vier Rohstofffelder gibt!)) Nun ist Mathias wieder an der Reihe. Er möchte schon mal am Schloss bauen, eine Dublone weg. Sönke möchte die 3 Dublonen, Arbeiter und Dublone weg, ich stelle einen Arbeiter auf den Markt, um 4 Dublonen für einen Rohstoff zu erhalten und Caterina findet die Reihenfolge nicht optimal optimiert. Mathias, ein wenig zufrieden mit seinen Taten, setzt den nächsten Arbeiter auf das Vogt-verschiebe-Feld und Sönke ist der erste Spieler, der passt. Er bekommt eine Dublone und setzte seine Scheibe auf das erste Feld auf der Brücke. Ich passe auch, denn nun noch einen Arbeiter zu setzen kostet mich 2 Dublonen und ich weiß auch nicht, was ich jetzt noch machen könnte. Caterina müsste nun schon 3 Dublonen für einen Arbeiter bezahlen und entscheidet sich ebenfalls zu passen. Mathias folgt dieser weisen Entscheidung. 
2. Felder aktivieren
Nun wollen wir sehen, welche Früchte unsere Arbeiter für uns eintragen. Dazu arbeiten wir die einzelnen Felder ab. Auf dem ersten steht kein Arbeiter, Haken. Auf dem zweiten steht Sönkes Arbeiter, Sönke bekommt 3 Dublonen. Das nächste Feld ist von Mathias besetzt. Da sein Arbeiter, der ihm Stein bringen soll zusammen mit dem Senneschall und dem Vogt auf einem Feld steht, versetzt er den Vogt 3 Felder weiter Richtung Spielende. Das nächste Feld ist wieder frei und dann will Caterina die Reihenfolge ändern. Sie schiebt ihre Scheibe an die erste Position und die anderen rutschen eine nach unten. Nun schauen wir auf die Reihenfolge des Passens. Sönke hat zuerst gepasst. Er kann nun den Vogt ebenfalls bis zu drei Felder verschieben, das kostet ihn allerdings 1 bis 3 Dublonen. Da Schmalhans bei ihm Küchenmeister ist, will und kann er es sich nicht leisten, außerdem spielt er ja schließlich nicht destruktiv, und lässt den Vogt in Ruhe. Auch wir anderen sind wahre Engel und bewegen ihn nicht. Nun werden die Gebäude aktiviert. Sönke bekommt sein Holz, Ich meine Nahrung, Caterina bekommt ebenfalls Nahrung und Mathias seinen Stein. Ich darf nun noch verkaufen, eine Nahrung für 4 Dublonen. Bauen wollte diese Runde keiner ein Gebäude. Mathias hatte aber einen seiner Arbeiter aufs Schloss gesetzt, also wird da nun noch gebaut. Er zahlt die drei Rohstoffe (Holz, Stein und Nahrung) und stellt eines seiner Häuser auf die Burg. Dafür bekommt er 5 Prestige und eine Gunst, da er in dieser Runde die meisten Häuser auf dem Schloss gebaut hat. Er wählt die drei Dublonen. Nun wird noch der Senneschall zwei Felder weiter nach vorne bewegt und die Runde ist um.

Dieses Spiel geht nun einige Runden lang, man sammelt Rohstoffe, baut am Schloss, bekommt Günste, baut Gebäude und wird hin und wieder von den anderen Spieler geärgert, wenn sie den Vogt weiter nach hinten setzen. Das alles hält sich in erträglichen Grenzen, nach einigen Runden kommt Routine ins Spiel. Um allerdings das Spiel zu meistern braucht man mehr als einige Runden, und zwar einige Spiele. Wer weiß, ob wir es mittlerweile nach zahlreichen Partien gemeistert haben? Ich bezweifle es. 
3. Das Spiel zu Fünft
Im Spiel zu Fünft gibt es zu wenige Rohstofffelder. In der ersten Runde kann sich der fünfte Spieler entscheiden, ob er zum Beispiel den Vogt versetzt, wenn oder ob er das Geld nimmt. Ohne Rohstoffe kommt man nur schwer voran. Es gibt natürlich auch die Möglichkeit im Spiel zu Fünft nett zu spielen. Bin ich der Letzte in der Runde kann ich Geld nehmen oder vielleicht etwas bauen. Ich muss nicht destruktiv spielen. Wenn aber in den weiteren Runden ich irgendwann wieder Letzter bin, die Reihenfolge sollte man schon verändern, kann es aber sein, dass ich ein wenig im Hintertreffen liege. Dann könnte sich die Gelegenheit den Vogt zu versetzen als äußerst interessant erweisen, zumal die Regel „Immer gegen den Führenden“ von solcher Weisheit ist, dass es eine Schande wäre sie zu missachten. Also bewege ich den Vogt weiter nach hinten. Warum nicht? Kostet mich eine Dublone, quasi ein Lächeln, habe ich doch fleißig gespart. Da ich als Letzter gepasst habe, diese Position sollte man nicht demjenigen überlassen, der den Vogt versetzen will, habe ich das Glück abwarten zu können. Gewisse andere Spieler sind zu geizig um den Vogt entsprechend weit vor zu setzen. Nun, wenn sie die Weisheit „Was heißt hier teuer, kann Leben retten!“ nicht beherzigen wollen, sollen sie doch sehen, was sie davon haben. Also den Vogt nochmals um drei Felder verschoben, so dass ein Spieler in dieser Runde leider gar keine Rohstoffe erhält. Dieses Szenario ist natürlich eine Folge von einer Verkettung unglücklicher Ereignisse und Entscheidungen. Der eine Spieler war zu lange Letzter, der andere war sich zu sicher, oder zu naiv zu glauben, dass andere Spieler relativ viel Geld investieren würden, um ihm zu schaden. Am Ende kam eine schrecklich nervige Diskussion dabei heraus, die von destruktiven Spielweisen, lautem Geschrei, das Ausredenlassen Anderer und wer wann nach Hause fahren wird handelte. Dabei war noch gar nicht so viel Wein geflossen. 
Nun, es ging also darum wie gemein oder destruktiv man spielen darf/sollte. Da war die eine Seite, die meinte, man solle so spielen, dass alle Spaß hätten und die andere Seite, die der Meinung war, man solle die Möglichkeiten, die ein Spiel bietet ruhig ausnutzen. Endergebnis war, dass wir das Spiel nicht weiterspielen wollten, das heißt, wir haben es eine Runde weitergespielt, mit einem Spieler, der nur destruktiv, ohne aber für sich selber positiv zu spielen, spielte. Danach haben wir es abgebrochen. Dies soll als Warnung dienen: Wenn Sie um die Kindheitstraumata Ihrer Mitspieler bescheid wissen, nutzen Sie dieses Wissen um entweder lieb und nett Caylus zu spielen, oder um es gar nicht erst auf den Tisch zu legen.
Am Ende gewinnt, wie so oft, der Spieler, der seine Ressourcen am Besten nutzen konnte. 

In anderen Spielrunden sah es nun ganz und gar anders aus. Vielleicht spielen auch gewisse intermenschliche Faktoren eine Rolle, die den einen Spieler gegen den anderen aufbringen, auch wenn sie die besten Freunde sind. Bei Ehepaaren soll dieses Phänomen auch schon beobachtet worden sein. 
Dennoch ist Caylus ein sehr interessantes Spiel, das so gut wie kein Glück ins Spiel bringt, schon aber etwas Zufall, abhängig von den Persönlichkeiten der einzelnen Spieler. Sollten Sie es zum allerersten Mal spielen, raten wir zu vier Spielern - die erfahrenen Spieler können es dann auch zu fünft spielen.
Auch bei diesem Spiel wird „Spielspaß mehr oder weniger gleich Gesamtpunkte“ nicht ganz gelten. Zu viert ist es sicherlich eines der besten Spiele des Jahrgangs, und einige Spieler werden sagen, zu fünft sei es sogar noch besser. Wir finden aber, dass es durch die Mangelsituationen im Fünferspiel durchaus den Spielspaß bremsen kann. Deswegen Spielspaß 5 und Gesamt 6. Es ist schon „one of a kind“. 
 
Strategie / Taktik

     
Glück / Zufall

Interaktion
 
Anleitung / Material
   
Spielspaß
    
Preis / Leistung

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Kurzinfos
Caylus 
Gesamtbewertung
      
Autor
William Attia 
Verlag
Ystari 
Erscheinungsjahr
2005 
Spieleranzahl
2 - 5 
Dauer
ca. 60 - 90 Min.
(eher 90-180 Minuten) 
Alter
ab 12 Jahren 
Preis
 32,95 € 
Auszeichnungen
Deutscher Spielepreis 2006
Spiel des Jahres 2006 - Sonderpreis 'Komplexes Spiel'
Nederlandse Spellenprijs 2006
International Gamers Award 2006 - Mehr-Personen-Spiel